Programm 2. Halbjahr 2016

Sehr geehrtes Mitglied,

eine Exkursionund vier weitere Vorträge in der Reihe zur Stadtgeschichte bieten wir Ihnen für die zweite Hälfte des Jubiläumsjahres aus Anlass der Ersterwähnung der Burg Friedberg vor 800 Jahren. Wir würden uns freuen, wenn unser Programm gleichen Anklang findet wie die bisherigen Veranstaltungen der Vortragsreihe zur Stadtgeschichte. 

Alle Informationen über den Geschichtsverein, das Programm, die Publikationen, Pressestimmen u.a. können Sie auch unserer Homepage entnehmen: www.friedbergergeschichtsverein.de

Mit freundlichen Grüßen

Lothar Kreuzer, Vorsitzender

Hier finden Sie das aktuelle Programm als PDF

EXKURSIONEN

Donnerstag, 1. – Sonntag, 4. September 2016: Viertagefahrt

Das Münsterland: Wasserburgen, Schlösser und Klöster, Varusschlacht, Westfälischer Frieden und Täuferreich, Schlaun und die Droste.

Marienfeld, Warendorf, Freckenhorst, Telgte, Münster, Osnabrück, Kalkriese, Clemenswerth, Anholt, Bocholt, Billerbeck, Hülshoff, Rüschhaus, Vischering, Nordkirchen.

Das Münsterland ist geprägt durch die Wasserburgen des westfälischen Adels, die malerisch in ihren Gräften liegen, aber auch durch geistliche Zentren, vor allem in den Bischofsstädten. Dort wurde der Dreißigjährige Krieg nach jahrelangen Verhandlungen beendet. In Münster zeugt der Friedenssaal im Rathaus davon und die Käfige am Lambertiturm halten die Erinnerung an die  Episode des Täuferreiches wach. Wahrscheinlich haben in Westfalen auch die Legionen des Varus 9 n. Chr. ihre vernichtende Niederlage erlitten. Der Barockarchitekt Johann Conrad Schlaun hat unverwechselbare Schlossanlagen geschaffen und die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ihre Heimat anschaulich beschrieben.

Führung: Hans Wolf

Abfahrt: 7.30 Uhr, Friedberg, Parkplatz hinter der Stadthalle,

kurz danach in Bad Nauheim, Haltestellen Söderweg und Frankfurter Straße.

Schriftliche Anmeldung und Zahlung von 340,- € pro Person im DZ bzw. 410,- € im EZ für Fahrt, Übernachtung mit Halbpension, Eintritte und Führungen bis zum 1.7. 2016.

Unterkunft: Stadthotel Münster, Aegidiistraße 21, Tel. 0251/48120

 

VORTRAG:

Donnerstag, 15. September, 20 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8

Hans- Helmut Hoos, Die jüdische Gemeinde

Parallelgesellschaft – Integration –  Assimilation

Ein Überblick über die Geschichte der Juden in Friedberg.

Seit der Gründung von Burg und Stadt Friedberg im 13. Jahrhundert lebten in Friedberg Juden. Sie haben bis zu ihrer Deportation 1942 und ihrer Ermordung in den Vernichtungslagern des Naziregimes Wesentliches zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt und der Region beigetragen und bleibende Spuren hinterlassen. Ausgehend von der 2008 in zweiter Auflage  erschienenen Publikation „Kehillah Kedoschah-Spurensuche“ sollen die wichtigsten Phasen dieser Entwicklung im Überblick dargestellt werden.

 

Donnerstag, 13. Oktober, 20 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8

Dr. Klaus- Dieter Rack

Stadt und Burg Friedberg – Von der Reformation bis zum Ende des Alten Reiches 1802/06

Im Vortrag wird, unterstützt von Lichtbildern, das wechselvolle, aber auch spannungsgeladene Miteinander zweier reichsunmittelbarer Gebilde des Alten Reiches – Stadt und Burg Friedberg – von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende ihrer eigenständigen staatsrechtlichen und politischen Existenz am Anfang des 19. Jahrhunderts beleuchtet.

 

Donnerstag, 17. November 2016, 20 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8

Lutz Schneider M.A.

Das 19. Jahrhundert

Von den napoleonischen Kriegen bis zur Eingemeindung Fauerbachs

Streng genommen gehört die Eingemeindung Fauerbachs 1901 natürlich nicht mehr in das 19. Jahrhundert. Sie symbolisiert aber zusammen mit der im gleichen Jahr eingeführten Städteordnung und der Wahl eines Berufsbürgermeisters den endgültigen Abschied von den Verhältnissen im 19. Jahrhundert. In seinem Vortrag beleuchtet Stadtarchivleiter Lutz Schneider u.a. die politischen, wirtschaftlichen und städtebaulichen Veränderungen beim Übergang der Freien Reichsstadt Friedberg in das Großherzogtum Hessen, die Rolle der Kreisstadt als Verwaltungs- und Schulzentrum, die Revolution von 1848 und die beginnende Industrialisierung, von deren Anfang das 1850 eingeweihte Rosentalviadukt noch heute Zeugnis ablegt.

 

Mittwoch, 23. 11., 20.00 Uhr  und Mittwoch, 30. 11,  17.00  und 20.00 Uhr 

Bildungsforum und Kinocenter Friedberg bieten einen ganz besonderen, gerade erst erschienenen Dokumentarfilm mit Friedberg-Bezug an:

“HAYMATLOZ“, Regie: Eren Önsöz; mit Elisabeth Weber-Belling, Susan Ferenz-Schwartz, Enver Tandogan Hirsch, Kurt Heilbronn, Engin Bagda;Kinostart 27.10.2016; 90 Minuten,

 

Ein Film über die Vergangenheit, der hochaktuell ist.

„In Dankbarkeit dem türkischen Volk, das von 1933 bis 1945 unter der Führung von Staatspräsident Atatürk an seinen akademischen Institutionen deutschen Hochschullehrern Zuflucht gewährte. Im Namen des deutschen Volkes Richard von Weizsäcker, Präsident der Bundesrepublik Deutschland, 29. Mai 1986.“

Dies der Text einer Inschrift am Eingang der Universität von Istanbul. Was wenige wissen: neben den klassischen Exilländern Amerika, der Schweiz oder England, fanden auch in der Türkei Menschen Zuflucht nach der nationalsozialistischen Machtergreifung. Es waren vor allem deutsch-jüdische Akademiker, die von Kemal Atatürks eingeladen wurden, an dem von ihm initiierten Reformprozess der Modernisierung und d.h. der Europäisierung von Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Bildung, Kunst und Kultur mitzuwirken.

Einer von Ihnen war der Friedberger Ernst Eduard Hirsch, geb. 1902, der nach dem Abitur an der Augustinerschule Volkswirtschaftslehre und Rechtwissenschaften an den Universitäten Frankfurt und Gießen studierte, mit anschließender Promotion 1924 und der Habilitation 1930. 1931 wurde Hirsch zum Land- und Amtsgerichtsrat und damit zum Richter auf Lebenszeit in Frankfurt am Main ernannt und wirkte gleichzeitig als Privatdozent, bevor er dann 1933 in die Türkei emigrierte und dort u.a. als Professor lehrte.

Die türkisch-stämmige Filmemacherin Eren Önsöz dokumentiert den bedeutenden Kultur- und Wissenstransfer in die Türkei nach 1933 exemplarisch an fünf  Einzelschicksalen – und es unterstreicht den Rang des ehemaligen Friedberger Mitbürgers  Prof. Ernst Eduard Hirsch, dass sein Leben in diesem Film mitreflektiert wird. Die Regisseurin begleitet ihre Protagonisten, darunter Enver T. Hirsch, den in Istanbul geboren Sohn von Eduard Hirsch, bei ihren emotionalen, von Kindheitserinnerungen geprägten Spaziergängen über den Taksim-Platz und durch den Gezi-Park genauso wie bei ihren klugen Reflexionen über die gesellschaftliche Modernisierung von 80 Jahren und deren aktuellem Rückbau. Damit liefert der Film auch einen ganz aktuellen Diskurs über die Gegenwart und Zukunft der türkischen Gesellschaft.

„Ich bin begeistert von diesem wunderbaren, sensiblen und doch durch und durch politischen Dokumentarfilm. Eren Önsöz hat  einen wichtigen Abschnitt türkisch-deutscher Geschichte aufgearbeitet und die persönlichen Schicksale der Protagonisten  geschickt mit der heutigen politischen Lage in der Türkei verbunden!“  Lale Akgün – Politikerin & Schriftstellerin

 

Donnerstag den 26 Januar 2017 20 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8

Michael Keller

Das 20. Jahrhundert

Von der Katastrophe des Ersten Weltkriegs bis zum „neuen Friedberg“

Stahlstraße, Anton-Heinstadt-Weg, Fritz-Bebber-Weg oder Karl-Raute-Weg, nicht allen Friedbergern wird bewusst sein, dass es sich bei den genannten um vier Friedberger Bürgermeister des 20. Jahrhunderts handelt. In seinem Vortrag versucht Bürgermeister Michael Keller einschneidende Abschnitte der Friedberger Stadtgeschichte anhand der Biografien der jeweils amtierenden Bürgermeister zu veranschaulichen. So steht der gebürtige Stuttgarter Carl Stahl (Bürgermeister 1902-1916) für eine rasante Stadtentwicklung bis zur „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkriegs. Dr. Ludwig Seyd (Bürgermeister 1919-1935), für das Scheitern einer demokratischen Bürgergesellschaft im Volksstaat Hessen sowie den nahtlosen Übergang in die NS-Diktatur und der „alte Kämpfer“ Karl Hermann Vieth (Bürgermeister 1935-1943) u.a. für Gleichschaltung, Kriegszerstörung und das Ende einer 700jährigen jüdischen Geschichte in Friedberg. Unter den drei Nachkriegs-bürgermeistern Anton Heinstadt (1945-1946), Fritz Bebber (1946-1965) und Karl Raute (1966-1975) entsteht das „ neue Friedberg“. Städtebaulich symbolisiert durch Kreishaus, Adolf-Reichwein-Schule oder die Wohnbebauung zur Unterbringung der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge im Bereich Breslauer-, Danziger- und Teplerstraße. Parallel dazu häufen sich Konflikte wegen der Beschlagnahmung von Wohngebäuden durch die US-Army und den Ausbau der US-Kaserne 1953, der die städtebauliche Ausdehnung nach Süden auf Jahrzehnte blockiert. Der politisch gewollten Entwicklung einer freiheitlichen-demokratischen Gesellschaft  und dem Gedanken einer europäischen Aussöhnung stehen im Alltag immer wieder Auseinandersetzungen zwischen GIs und Bürgerinnen und Bürger entgegen.

Wir bitten darum, Band 64 der Wetterauer Geschichtsblätter, der in diesen Tagen erscheinen wird, auf der Geschäftsstelle abzuholen.

Unter dem Dach des Geschichtsvereins werden Spenden gesammelt für die Bürgerinitiative „Georgsbrunnen“, die eine vorgezogene Restaurierung dieses zentralen Denkmals in der Burg ermöglichen will. 

 

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