Dr. Zuch, Ubbelohde

 

Vortrag über „Otto Ubbelohde in der Wetterau“ beim Friedberger Geschichtsverein

Aus Anlass des 150. Geburtstages des Künstlers Otto Ubbelohde sprach Dr. Rainer Zuch aus Marburg kürzlich auf Einladung des Friedberger Geschichtsvereins im Bibliothekszentrum Klosterbau über „Otto Ubbelohde in der Wetterau“. Zu dem Jubiläum fand bereits eine Ausstellung in Gießen statt, eine weitere Ausstellung in Marburg wurde jetzt eröffnet und ist bis zum 9. November im Marburger Kunstverein zu sehen. Wegen seiner zahlreichen Darstellungen hessischer Motive in der Malerei, vor allem aber auch im Bereich der Illustration und der druckgrafischen Arbeiten, welche weite Verbreitung fanden, wurde er oft als „Heimatkünstler“ eingestuft, was ihm aber nur bedingt gerecht wird.

Der Referent Dr. Rainer Zuch

1867 in Marburg als Sohn eines Universitätsprofessors geboren, studiert Ubbelohde zunächst gegen den Willen seines Vaters von 1884 bis 1890 an der Akademie der bildenden Künste in München. Anschließend lässt er sich als freier Künstler in München nieder. Er knüpft Kontakte zu Münchner Künstlergruppen, reist aber auch mehrfach nach Worpswede und beteiligt sich regelmäßig an Überblicksausstellungen der Zeit, unter anderem in München und Berlin. Nach seiner Heirat 1897 zieht er im Jahr 1900 wieder in die Marburger Gegend, wo er in der Lahnaue bei Goßfelden ein Grundstück erwirbt, ein Atelier- und Wohnhaus errichtet, später ausbaut und mehrere Gärten zur Selbstversorgung anlegt. Dort stirbt er auch mit nur 55 Jahren im Jahr 1922. Siebzig Jahre später übergibt Ubbelohdes Familie das Künstlerhaus und den künstlerischen Nachlass der Otto-Ubbelohde-Stiftung, die das Anwesen wieder instand setzt und 1999 als Museum eröffnet. Seitdem werden dort wechselnde Ausstellungen gezeigt, die das vielfältige Werk Ubbelohdes der Öffentlichkeit präsentieren.Rainer Zuch unterscheidet im Werk Ubbelohdes die freien künstlerischen Arbeiten, insbesondere in der Malerei, und die angewandten bzw. Auftragsarbeiten im Bereich der Grafik und Illustration. Vor allem Letztere sicherten dem Künstler seinen Lebensunterhalt. Die Wetterauer Motive, die das Thema des Vortrags bildeten, finden sich ausschließlich in den grafischen Arbeiten und in Skizzen, die Rainer Zuch im Hauptteil seines Vortrags im Einzelnen vorstellte, immer einbettet in den jeweiligen Entstehungszusammenhang. Frühe Skizzenbuchblätter mit Zeichnungen der Burg Münzenberg aus dem Jahr 1880 belegen bereits für den 13jährigen Ubbelohde einen Aufenthalt in der Wetterau und ein Interesse an der charakteristischen, landschaftsprägenden Burgruine, die er später noch mehrfach zeichnet und als Kürzel einer zweitürmigen, mit der Landschaft verwachsenen Silhouette gerne in Illustrationen verwendet. Immer wieder führen ihn Reisen in die Wetterau und so entstehen Ansichten von Büdinger Motiven, die später als Postkarten-Serien herausgegeben werden, der Ronneburg, des Klosters Arnsburg und mehrerer Friedberger Motive. Am Beispiel der verschiedenen Wetterauer Orte und Motive stellte Rainer Zuch detailliert und gut nachvollziehbar dar, wie vor Ort angefertigte Bleistiftskizzen oft Jahre später in Federzeichnungen verarbeitet und als Postkartenserien oder Illustrationen veröffentlicht werden. Manche Motive werden immer weiter abstrahiert und von ihrem ursprünglichen Ortsbezug abgelöst und finden sich später als Versatzstücke in seinen bekannten Illustrationen der Grimmschen Märchen oder in anderen Publikationen wieder.

1908-Friedberg-Kaiserstrase-Fe-derzeichnung-Otto-Ubbelhode

Den Abschluss des Vortrags bildeten Ubbelohdes Zeichnungen Friedberger Motive. Neben einer Skizze der Burg von 1905 sind es vor allem Federzeichnungen. Eine Innenansicht des Judenbades diente 1908 als Monatsbild für den Juni im Jahrbuch „Hessen-Kunst“. Eine Serie von sechs Federzeichnungen wurde im Verlag von C. Scribas Buchhandlung als Postkartenserie aufgelegt. Die Motive sind: die Kaiserstraße, die St. Georgs-Kapelle auf der Seewiese und verschiedene Ansichten der Burg von außen und innen. Die Originale dieser Zeichnungen befinden sich übrigens in der Sammlung des Wetterau-Museums, die Zeichnung der Kaiserstraße ist derzeit ausgestellt. Rainer Zuch stellte den Zeichnungen jeweils eine aktuelle Fotografie desselben Motivs gegenüber, wodurch die Besonderheiten der künstlerischen Umsetzung deutlich wurden.

Der engagierte und kenntnisreiche Vortrag Dr. Rainer Zuchs kam beim Publikum gut an und wurde am Ende mit herzlichem Beifall honoriert.

Johannes Kögler

 

 

Vgl. Wetterauer Zeitung 10.10.2017

 

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