Fahrt Nordhessen

Einen schönen Abschluss des ersten Halbjahrs erlebte der Friedberger Geschichtsverein unter der Leitung von Hans Wolf mit seiner Tagesexkursion nach Nordhessen, ins Fritzlarer Becken, wo in den Tälern von Schwalm und Eder die Keimzelle Hessens lag. Man gab in der Landgrafschaft Hessen (- Kassel) der Region um die Flusstäler den Namen Niederhessen, Richtung Marburg hieß es wegen der Höhenzüge Oberhessen.

Frühe Informationen über das Siedlungsgebiet der Chatten, von denen Hessen seinen Namen ableitet, findet man bei Tacitus, der über den schnellen Angriff des Germanicus 15 n. Chr. berichtete, als dieser bei vergleichbar extremer Trockenheit wie heute mit Zwischenstopp in einem Lager in monte Tauno, bei dem Einiges auf Friedberg hindeutet, einen Rachefeldzug nach der Niederlage des Varus führte.

Screen Shot 2015-08-01 at 17.01.41Auf dem Büraberg bei Fritzlar gründete Bonifatius ein erstes Bistum, das 742- 47 bestand.  Zu seiner missionarischen Berufung, das Wort Gottes zu verbreiten, hatte sich der englische Benediktiner päpstlichen Beistandes und militärischen Schutzes der Franken versichert. Auch in den eigenen Reihen kämpfte er gegen Würdenträger, die er als Sünder entlarvte. Als „päpstlicher Holzfäller“ (Hans Wolf) der Donareiche legte er mit Klostergründung und Kirchenbau den Grundstein der Stadt Fritzlar. In St. Petri, im Investiturstreit 1079 zerstört, im Wesentlichen frühgotisch gestaltet, sind romanische Elemente des 11. Jahrhunderts erhalten. In Fritzlar hat der schwache erste deutsche König Konrad den Sachsen Heinrich zu seinem Nachfolger bestimmt, es war wiederholt umkämpft, als Besitz des Erzbistums Mainz umgeben von hessischem Territorium, zu dem es erst nach Napoleon kam. Von der einstigen Blüte künden das Hochzeitshaus und die gotischen Steinhäuser des gehobenen Bürgertums.

An der Hauptverkehrsroute der „Langen Hessen“ gelegen entwickelte sich Homberg an der Efze zu einem wichtigen Handelsplatz, von dem die prächtige Fachwerkkulisse rund um die Marienkirche zeugt. Auf einer Anhöhe trafen sich unter Führung eines Mitglieds der einflussreichen Familie Dörnberg (von ihr finden sich Spuren auch in Friedberg) Verschwörer zusammen, die gegen die Herrschaft von Napoleons Bruder Jérome aufbegehrten, tatkräftig unterstützt von Angehörigen des adligen Damenstifts am Ort, die ihnen eine Fahne nähten.

In Homberg beschloss 1526 die von Landgraf Philipp, nicht von der Geistlichkeit einberufene Synode den Übertritt Hessens zur evangelischen Konfession. Der junge Herrscher sah dies als Chance zu seiner Profilierung. Der Staat bemächtigte sich der Klöster, Städte gründeten Schulen und in einer hessischen Kirchenordnung wurde der Fürst als oberster Bischof eingesetzt. Seine spätere, von Luther abgesegnete Doppelehe brachte Philipp eine fünfjährige Inhaftierung ein.

Auf dem Höhenrücken des Spies tagten an der Grenze von Nieder- und Oberhessen nach der Landesteilung im 15. und 16. Jahrhundert gemeinsame Landtage des Adels, um bei verfeindeter Obrigkeit Regelungen zu finden. Hier entstand eine Grenzwache und Zollstation.

Vom ursprünglichen Oberhessen kehrte man, nicht ohne Hans Wolf für den gelungenen Tag zu danken, in die spätere hessen- darmstädtische Provinz Oberhessen  zurück.

Lothar Kreuzer

 

Vgl. WZ 31.7.2015