Presse 2013 Schwaben

Die Viertagefahrt des Friedberger Geschichtsvereins zu schwäbischen Reichsstädten und auf den Hohenstaufen war unter der Leitung von Hans Wolf trotz zweitägigen Dauerregens eindrucksvoll und ließ den Charakter und die große Ausdehnung Schwabens und seine reichsstädtische Tradition lebendig werden.  Nachdem die Staufer 1079 mit dem Herzogtum Schwaben belehnt wurden, machten sie es bis ins 13. Jahrh. zum Kernland des Reiches; sie gründeten Reichsstädte, die sich in Bündnissen wiederholt gegen die Württemberger Grafen behaupten konnten und wirtschaftlich und kulturell aufblühten. Noch heute zieren die drei staufischen  Löwen das Wappen des Bundeslandes.  Über die Benennung des Geschlechts nach dem Hohenstaufen und sein europaweites Wirken informiert ein Panorama im Hauskloster Lorch.

Bevor es in neun Reichsstädte ging, besuchte man in Cleversulzbach Mörikes Pfarrhaus und den Turmhahn, Vorlage eines seiner Gedichte. Mörike war von der Familie für den Pfarrberuf bestimmt, aber nicht geeignet. Er wechselte häufig die Stelle, das Schreiben einer Predigt empfand er als Tortur, mit 39 Jahren wurde er pensioniert.

Ein weiterer Abstecher führte zur Abteikirche  in Neresheim, Balthasar Neumanns letztem Werk. Mit ihren freistehenden Pfeilern und sowie den Kuppelfresken ist die Kirche ein Musterbeispiel des deutschen Barock.

Wimpfen, eine Römergründung, wurde im Neckartal ein Ritterstift. Nach Planänderung wandelte sich die Kirche mit romanischem Portal zu einer frühgotischen Kirche mit breitem Kreuzgang. Wimpfen am Berg  wurde riesige Kaiserpfalz mit Türmen, Höfen und Arkaden.

Hoch oben auf dem gotischen Turm der Kiliankirche in Heilbronn wacht ein Landsknecht. Sie bildet mit dem Renaissance- Rathaus das Zentrum der stark kriegszerstörten  Stadt. Weil Kleist sich mit dem Stoff seines Dramas auf die erfolgreiche Behandlung einer Heilbronner Schlafwandlerin bezieht, kam die Stadt mit dem Käthchen zu literarischen Ehren.

Der Reformator Brenz, der Astronom Kepler und Karl V. vor dem Rathaus zeugen von der einstigen Bedeutung der Kleinstadt Weil, der Stadt, ebenso wie Altar und Sakramentshaus der Hallenkirche.

Ein Weg in die Altstadt Esslingens führt durch das „Wolfstor“. Als reicher Hauptort des Städtebundes beherbergte es vier Bettelorden, die Kirchen wurden deshalb erweitert und erhöht. Die erste Pfarrkirche St. Dionys trat man an den Bischof von Speyer ab, um dort die Grablege der Staufer zu sichern. Um sich vom Mittelalter abzuheben, fügte man an den Fachwerkbau des Rathauses einen Renaissancebau an. Eng ins Gelände eingepasst hat die Frauenkirche als typische schwäbische Hallenkirche  mit dem Langhaus ihre Schauseite zur Stadt.

In Reutlingen, einer Barbarossa- Gründung, steht das Spital auffällig mitten in der Stadt. Die hochgotische Marienkirche wurde als Dank für den Sieg Friedrich II. gegen Heinrich Raspe mit prächtigem Turm erbaut.

In Rottweil, der ältesten Stadt Baden- Württembergs, stehen die Kirchen  abseits der Hauptstraßen, typisch für die Zähringer als Stadtplaner. Es war Mitglied der Schweizer Eidgenossenschaft, hatte ein bedeutendes Hofgericht und blieb wegen Drohungen Karls V. katholisch. Die Steinfiguren des riesigen  Kapellenkirchturms sind typisch für die Rottweiler Schule mit ihren hohen, geschwungenen, durch Weltentsagung verklärten Figuren.

In Ulm kam man der Hochwasserkatastrophe an der Ablegestelle der „Ulmer Schachteln“ nahe, auf denen die im 19. Jahrh. durch Realteilung verarmte  Bevölkerung  als „Donauschwaben“ stromabwärts neue Chancen suchte. Das Münster mit dem höchsten steinernen Kirchturm und reichem Figurenschmuck ist Sinnbild der wichtigsten Stadt im Herzogtum mit selbstbewusster Bürgerschaft. Grundsteinlegung war 1377 nach einem wichtigen Sieg des Städtebundes.

Erste staufische Stadt war Schwäbisch- Gmünd. Die romanische Basilika St. Johann und das Münster als älteste süddeutsche gotische Hallenkirche legen Zeugnis ab vom Wirken der in Schwaben wichtigen Parler- Dynastie.

Durch Salzhandel reichste Stadt wurde Schwäbisch Hall. Ein Teil der  Michaelskirche ist noch  romanisch, in der Vorhalle tagte das Salzgericht. Gegenüber der durch die Festspiele bekannten Freitreppe zeigt das Rathaus den barocken Charakter der Oberstadt.

Abschließend galt der Dank Herrn Wolf, auch für das Maultaschen- Buffet in Lorch, wo eher fürstlich als mönchisch gespeist wurde. Den Teilnehmern der Wiederholungsfahrt (22.-25.8.), bei der es  noch wenige freie Plätze gibt, wünscht man besseres Wetter.                                                           Lothar Kreuzer