Presse 2013 100 Jahre Bahnhof

Vor 100 Jahren nahm der neue Bahnhof in Friedberg seinen Betrieb auf. Frank Trumpold aus Ranstadt, engagiertes Mitglied der Eisenbahnfreunde Oberhessen, sprach aus diesem Anlass beim Friedberger Geschichtsverein über die Geschichte des Eisenbahnknotenpunktes Friedberg. Seinen Fahrplan  einhaltend stellte er zügig die Etappen des Ausbaus der Strecken und Bahnanlagen vor.

Nachdem es schon 1822 es erste Überlegungen zum Bau einer Pferdebahn von Frankfurt über Kassel nach Bremen gegeben hatte, gelang es 1845 unter  drei verschiedenen Landesherren, die Planung und den Bau der Main- Weser- Bahn zu koordinieren. Aufgehalten durch wirtschaftliche Rückschläge infolge der Revolution konnte 1850 der erste Personenzug in Friedberg einfahren. Der Großherzog hatte die Linienführung beeinflusst, weil er es von seiner Sommerresidenz in der Burg aus genießen wollte, wenn die moderne Techik in einer S- Kurve über das Rosentalviadukt, den Sandsteinbau der „24 Hallen“, unterwegs war. Schon damals wurden die Arbeiten nach dem Maßstab des niedrigsten Angebotes vergeben. Für den Bau in Friedberg und für den Rosentalviadukt war damals der Mainzer Ingenieur Peter Hochgesand verantwortlich. Später wirkte er als Bahnhofsinspektor.

Der erste Bahnhof hatte ein neoklassizistisches Empfangsgebäude, dazu einige Güterschuppen und jenseits der Gleise eine Lokstation. Kaiser Wilhelm II. ließ 1897/ 98 am Haltepunkt der „Bäderbahn“ zu seiner Sommerresidenz Wiesbaden den Fürstenpavillon zu Repräsentationszwecken errichten. Berühmteste Nutzer waren 1910 die Familie des Zaren und die seines Schwagers, Großherzog Ernst Ludwig. Bis 1903 gelangte man oberirdisch nach Fauerbach. Lange geschlossene Schranken hielten dabei manchen Trauerzug auf dem Weg zum Friedhof auf.

Die Einrichtung neuer Strecken war v.a. dem Güterverkehr geschuldet: 1881 nach Hanau als Direktverbindung zwischen Bayern und dem Ruhrgebiet; da man sich über die Trasse nicht einigen konnte, nahm man 1897 zwei Gleisanlagen nach Hungen bzw. Nidda zur Abwicklung des Rüben- und Braunkohletransports in Betrieb; ab 1910 nach Bad Homburg gab es eine erste, zeitweise zweigleisige Streckenführung über einen im Gelände noch sichtbaren Damm und eine Brücke.

Platzmangel führte zum Neubau des Bahnhofs auf der grünen Wiese auf der Gemarkung des eingemeindeten Fauerbach. Das von Armin Wegner entworfene Gebäude vereinigt unterschiedliche Baustile,es finden sich auch Jugendstilelemente. Nach zwei Jahren Bauzeit erfolgte am 10. August 1913 der Wechsel in das neue Gebäude, von Beginn an elektronisch beleuchtet und mit einer Unterführung zu den Bahnsteigen. Vorwiegend heimische Firmen waren an den Arbeiten beteiligt. Drei Schalter, eine Polizeistation und eine Gepäckannahme fanden in der 200 m² großen Halle Platz, im Nordtrakt noch eine nach Klassen getrennte Restauration. Im neuen Lokschuppen und dem späteren Bahnbetriebswerk waren nach dem 2. Weltkrieg in Spitzenzeiten ca. 600 Eisenbahner beschäftigt. Hier und auf dem Güterbahnhof gab es vor allem Bombenschäden. Aber schon Ende Mai 1945 konnte nach Norden der Betrieb wieder provisorisch aufgenommen werden. Trotz des Wegfalls der Verbindungen nach Osten konnte ein hoher Personalstand recht lange gehalten werden, vielleicht auch ein Verdienst des einflussreichen Betriebsrats und Kommunalpolitikers Heinrich Binding.

1966 wurde nach der Elektrifizierung die letzte Dampflok außer Dienst gestellt, auf den Nebenstrecken vermehrt Schienenbusse eingesetzt. Frank Trumpold sieht die Jahre 1982/ 83 als epochalen Einschnitt und das Ende einer großen Tradition. Technische Neuerungen machten Dienststellen und Gebäude überflüssig, die Post verlegte ihren Betrieb auf die Straße, Automaten ersetzten Personen. Die gewinnorientierte Ausrichtung des Konzerns Bahn führte auch im Gebäude zu mehr Konsumorientierung. Nach der Stillegung der 24 Hallen konnten Friedberger Bürger einen Abriss verhindern, der alte Bahnhof aber musste weichen.

Hinweise aus dem Publikum, in dem viele Insider saßen, ergänzten die kenntnisreichen Ausführungen des Referenten. Die Infrastrukturmaßnahmen der Bahn in und um Friedberg werden weiter für Gesprächsstoff sorgen bis hin zum viergleisigen Ausbau der Strecke nach Frankfurt. Vielleicht hätten einige Bilder, die man im Anschluss in einer Fotosammlung noch studieren konnte, noch manche Information des Vortrags unterstützen können. Der Referent ist an weiterem Material zur Eisenbahngeschichte Friedbergs interessiert. Kontakt: FrankTheElvis@t-online.de

Autor:  Trumpold

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