Presse 2014 Mannheim

Die Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa“ des Reiss- Engelhorn Museums Mannheim war Ziel der Museumsfahrt des Friedberger Geschichtsvereins. In ihr erfährt man, dass der Pfälzer Löwe im Familienwappen des Adelsgeschlechts wichtiger war als die weiß– blaue Raute der Herzöge von Bayern( Er wurde von Ludwig, dem Kehlheimer, ihrem ersten Pfalzgrafen eingebracht.), dass die Wittelsbacher ihr Machtzentrum 600 Jahre lang eher am Neckar und Rhein als in Bayern hatten und dass sie bis 1803 eine der wenigen dominierenden Familien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation waren.
Entscheidend gewannen sie an Macht hinzu, seit sie 1214 von den Staufern als Dank für politisch- militärische Unterstützung mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt wurden und 1356, als der Pfalzgraf in der Goldenen Bulle zu einem der sieben Kurfürsten bestimmt wurde. Er hatte als Erztruchsess nicht nur die königliche Tafel zu organisieren, sondern auch die Funktion des obersten Reichsverwalters und des Leiters des Hofgerichts. Wittelsbacher wurden Könige und Kaiser, zum Löwen kamen im Wappen Krone und Reichsadler hinzu.
Die umfängliche Ausstellung mit hochwertigen Exponaten, im Zeughaus für die Jahre 1214 bis 1504 mit Heidelberg als Residenz und im Barockschloss die Epoche bis zum Ende des Reiches 1803, konnte selbst in mehr als zweistündiger Führung nur im Überblick erfasst werden.
Verkehrsgünstig an den Flüssen gelegen entwickelten sich militärische Bollwerke erst nach und nach zu den berühmten Schlossbauten. Das ursprünglich nicht geschlossene Territorium der Pfalzgrafen wurde durch geschickte Heiratspolitik gefestigt, entscheidender Schachzug war der Vertrag von 1329, der nach der Teilung des Herzogtums Bayern gegenseitige Erbfolge der bayrischen und der Pfälzer Linie vorsah. Die dynastischen Verbindungen wurden mittels Computerausdrucken in 3 D verdeutlicht und durch Quellen, die die Pracht mittelalterlicher Buchkunst und den Reichtum der Wittelsbacher zeigen. Der Rhein machte sie reich, auch durch den Einsatz von Schiffen, die man nach ihrer Entladung nicht leer zurückschickte, sondern zerlegte, um das Holz anderweitig zu nutzen. Gezielt förderte man den Handel durch Anwerbung ausländischer Kräfte, v.a. von Glaubensflüchtlingen, und mit Juden, wobei schon früh auch Antisemitismus auftrat.
Erbstreitigkeiten und konfessionell bedingte Allianzen mit Konflikten auch innerhalb der Familie führten immer wieder zu europaweiten, verheerenden Kriegen. Als Mäzene von Wissenschaft und Kunst mehrten die Pfalzgrafen ihren Ruf. In der Epoche der Gegenpäpste wurde 1386 mit Unterstützung Roms die dritte deutschsprachige Universität gegründet, besonders nach der Verlegung der Residenz nach Mannheim wurde unter Carl Theodor der Hof, das zweitgrößte Barockschloss Europas, zum Ort der Musen.
Mit Carl Theodors Herrschaftsübernahme in München 1788 verlor Mannheim seine zentrale Rolle, sein Nachfolger Maximilian I. wurde durch Napoleon zum König von Bayern mit der Oberpfalz, während die Rheinpfalz an den Großherzog von Baden fiel. Bestrebungen im 19. Jh., Bayern an die Habsburger abzugeben zugunsten eines Machtzuwachses am Niederrhein, verhinderten die Preußen.
Herr Wolf, dem der Dank für die Organisation dieses intensiven Museumstag galt, hatte auch auf die Verbindungen Friedbergs zu den Wittelsbachern verwiesen. Ein Schiedsspruch König Ruprechts im Streit von Burg und Stadt untersagte 1410 den Weiterbau der Stadtkirchentürme.

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