1200 Jahre Stadt Friedberg

Drei Jahre sind vergangen, seit aus Anlass der Ersterwähnung der Burg Friedberg „800 Jahre Friedberg“ mit einem rauschenden Festakt in der Stadthalle begangen wurde. Die Festansprache von Prof. Münkler wurde in den Wetterauer Geschichtsblättern des Friedberger Geschichtsvereins festgehalten, manche Zukunftsvision wird vielleicht von dem gerade startenden integrativen Stadtentwicklungsprozess aufgegriffen.

Im Schatten dieses Jubiläums folgt nun die Wiederkehr der Ersterwähnung der Stadt Friedberg. In einem in Frankfurt ausgefertigtem Schreiben vom 11. August 1219, das an die Städte Frankfurt, Gelnhausen und Friedberg gerichtet war, nennt der Stauferkönig Friedrich II. Eberwin von Cransberg „burggravius regie civitatis in Frideberc“ (Burggraf der königlichen Stadt Friedberg).

Zu diesem Zeitpunkt müssen Burg und Stadt Friedberg schon ausgebildete Gemeinwesen gewesen sein. In der Forschung geht man mehrheitlich davon aus, dass die Gründung von Burg und Stadt gemeinsam und planmäßig erfolgte, etwa um 1170. Die strategisch günstige Lage auf einem Basaltfelsen, eine Tagesreise von Frankfurt entfernt, an günstigen Straßenverbindungen, den „kurzen und langen Hessen“, unweit der höher gelegenen Weinstraße war dafür ausschlaggebend.

Für diese Region weisen archäologische Funde auf Siedlungstätigkeit seit der Jungsteinzeit hin, hier hatten die Römer zentral in der Kornkammer Wetterau gelegen ihr Kastell und die sich anschließende Zivilsiedlung mit entsprechendem Straßenbau errichtet.

Das Wahrzeichen der Stadt: die Stadtkirche (Foto: Johannes Kögler)

Die Staufer nutzten die Neugründung zur Kontrolle ihres Reichbesitzes, die Burg zur Straßensicherung, die Stadt als Marktzentrum. Wenn auch Stadt und Burg zwei selbständige Gemeinwesen waren, so hatte die Burg von Anfang an Einfluss in der Stadt. Der Burggraf hatte als Vertreter des Königs auch den Vorsitz im städtischen Schöffengericht.

Die Stadt Friedberg blühte im ersten Jahrhundert ihres Bestehens auf, wofür folgende Eckpunkte stehen:

  • ab 1226 Zugehörigkeit zu verschiedenen Städtebünden, 1285 Wetterauer Städtebund
  • 1241 Arbeiten am erweiterten Mauerring. Hierfür wurde Friedberg die Hälfte der Steuer erlassen. Der Friedberger Steuersatz ist halb so hoch wie der von Frankfurt.
  • 1241 ist eine jüdische Gemeinde nachgewiesen.
  • 1245 wird erstmals die „Breite Straße“ erwähnt.
  • 1257 wird Friedberg Freie Reichsstadt.
  • um 1250/1260 wird mit dem Bau der gotischen Pfarrkirche anstelle eines romanischen Vorgängerbaus begonnen.
  • 1266 ist erstmals von einem städtischen Rat die Rede.
  • 1274/75 belagert und zerstört die mächtig gewordene Stadt die Burg, erster Höhepunkt im immer wieder auftretenden Dualismus von Stadt und Burg, Ursache von verstärktem Einfluss der Burg in der Stadt.
  • 1293 erhalten die Bewohner der Usa-, der Mainzer-Tor- und der Barbara-Vorstadt Bürgerrecht.
  • 1298 gibt es einen ersten Hinweis auf eine eigene Friedberger Messe. Vorher waren Friedberger Händler schon in Frankfurt vertreten.

Seit den Gründungsjahren sind einige Faktoren für die Stadt Friedberg gleichgeblieben: sie ist immer noch Verkehrsknotenpunkt, regionales Handelszentrum, politisches Oberzentrum.

Vor 100 Jahren, als man die Folgen des Ersten Weltkriegs zu bewältigen hatte, holte man die Jubiläumsfeier, die man erst nicht durchführen wollte, am 21. November nach. 2019 veranstaltet Friedberg in Burg und Stadt nur seine üblichen Feste. Es sollte aber das Jubiläum der Ersterwähnung der Stadt Friedberg vor 800 Jahren zumindest nicht unerwähnt bleiben.

Lothar Kreuzer

Vgl. Wetterauer Zeitung 8. August 2019

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