Fahrt nassauische Residenzen

Eine Tagesfahrt führte den Friedberger Geschichtsverein unter Führung von Hans Wolf in die nassauischen Residenzen Idstein, Altweinau und Usingen. Die Nassauer stellten mit Adolf von 1290-98 nur einmal einen deutschen König, wurden aber in den Niederlanden und Luxemburg bedeutend. Aufgrund von Teilungen entstanden viele Residenzen wie Idstein, Usingen, Wiesbaden. Förderte der nicht ertragreiche Erzabbau im Taunus eine Zeitlang  die Wirtschaftskraft, verarmte im 19. Jahrhundert das Land mit der Folge häufiger Emigration.

Idstein, Residenz von 1355-1721, hat wie Friedberg einen Bergfried mit „Butterfass“-Form als Wahrzeichen, wegen der Hexen-Verfolgungen 1676/77 Hexenturm genannt. Fürst Johann baute  im 30jährigen Krieg die Burg zum Residenzschloss um. Fachwerkbauten, an denen zur Bauzeit und bei den modernen Restaurierungen nicht gespart wurde, bestimmen oft an Sichtachsen das Stadtbild. Das Handwerk der Färber und Gerber war führend.

Hans Wolf erklärt den Bildschmuck in der Unionskirche Idstein

Hinter schlichten Mauern erstrahlt die jüngst restaurierte Unionskirche in neuem Glanz. Mit romanischem Ursprung wurde sie 1330/40 als gotische Stiftskirche St. Martin vollendet. Johann  wandelte sie 1669 zur Predigt-und Hofkirche um. Auch aus familiären Gründen verordnete Herzog Wilhelm 1817 das Zusammengehen der lutherischen und der reformierten Kirche. In ihr, der Grablege der Nassauer, ist im Altarbereich und an den Säulen viel Lahnmarmor verarbeitet, Decke und Wände schmücken 38 Barockgemälde, die nach einem Bildprogramm  das Heilsgeschehen präsentieren. An den Brüstungen der Emporen sind Bibelverse bei festgelegter Sitzordnung passend  den jeweiligen Nutzern zugeordnet.

Das Dörfchen Altweilnau überragt seine Burg, der gegenüber Neuweilnau als Ergebnis einer der vielen Teilungen entstand. Während in der Wüstung Landstein ein Restaurantname noch  auf die Mühle hinweist, steht die Turm-Ruine  der Kirche, deren Säulen in Usingen verbaut wurden, abseits.

Ebenso ergeht es dem Gutshof der Wüstung Stockheim bei Usingen. Die Stockheimer waren Burgmannen mehrerer regionaler Herren, ihr Gerichtsbezirk  ging später an Nassau über.

In Usingen entstand unter Fürst Walrad für die Ansiedlung von Hugenotten  im 17. Jahrhundert die Neustadt. Bekannt ist der weitläufige Markt mit der heute umgewidmeten Kirche, das Wohnviertel mit den Barockhäusern des Baumeisters Stengel aus (Nassau-) Saarbrücken und der terrassierte Schlosspark  erkundeten viele Fahrtteilnehmer erstmals.

Eine weitere eher unbekannte Station war das Pfarrhaus in Rod an der Weil, eines der ältesten Deutschlands. Weil ein Dorf im Kirchenbezirk die Reformation nicht mitvollzog, predigte der Pfarrer zeitweise für beide Konfessionen.

Zum Abschluss studierte man in Ziegenberg die Inschrift des Gedenksteins, der vom Schlosshof an die Straße versetzt wurde. Goethe lieferte aus Weimar Stein und Spruch an Diede zum Fürstenstein, Freund von Goethes Weimarer Herrscher August und Burgmann zu Friedberg. Mit seinen Versen nahm Goethe auf den Dreibund Diedes mit Gattin und Schwester Bezug.

Vgl. auch WZ 15.5.2018

 

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