Prof. Alexander Demandt: Konstantin der Große und das christliche Europa

Wetterauer Zeitung, 20.12.2007

»Prof. Alexander Demandt: Konstantin der Große und das christliche Europa«

Prof. Alexander Demandt: Von der eigenartigen >>Gerechtigkeit<< des Kaisers

von Lothar Kreuzer

Prof. Alexander Demandt


Konstantin der Große und das christliche Europaa

Vortrag von Prof. Alexander Demandt beim Friedberger Geschichtsvereinn

Vor gut gefüllten Reihen im Bibliothekszentrum Klosterbau sprach Prof. Demandt aus Lindheim beim Friedberger Geschichtsverein zum Abschluss des Jubiläumsjahres über „Konstantin der Große und das christliche Europa“.

Als ausgewiesener Fachmann für die Spätantike und einer der Betreuer der Jubiläumsausstellung in Trier stellte er Konstantin als zentrale Figur zwischen Augustus und Karl dem Großen vor, als Staatsführer und Förderer der christlichen Religion. In freiem und unterhaltsamem Vortrag zeichnete er die wesentlichen historischen Entwicklungen nach, wobei die meist einseitig christlich geprägten und Konstantin gewogenen Quellen mit sicherem, aber oft kritischem Urteil betrachtet wurden. Ausgesuchte bildliche Darstellungen untermauerten die Ausführungen.

Nach langer friedlicher Entwicklung erlebte das römische Imperium im 3. Jahrhundert von mehreren Seiten konzentrierte Angriffe barbarischer Völker, die lange innenpolitische Turbulenzen zur Folge hatten, in denen oft die Truppen neue Herrscher kürten. Das Reichsgebiet blieb dabei, abgesehen von den Verlusten jenseits des Rheins, erhalten. Um 300 beginnt mit Diokletians Reorganisation des Reiches die Spätantike. Mit der Teilung in West und Ost und der Errichtung mehrerer Herrschaftszentren ist man näher an den Brennpunkten. Vier Haupt- und Nebenkaiser (Augusti und Caesares) teilen sich die Macht.

306 wird Konstantin nach dem Tod seines Vaters zum Augustus des Westens ausgerufen und regiert ab 307 von Trier aus, von Kaiser Galerius nur als Caesar anerkannt. Erste militärische Erfolge festigen seine Herrschaft. Sein Weg zur und sein systematisches Streben nach Alleinherrschaft sind durch mörderische Komplotte gegen und durch ihn gekennzeichnet, auch im engsten Familienkreis.

Seinen Schwager Maxentius, Mitregent in Rom, schlägt er 312 nördlich der Stadt an der Milvischen Brücke. Ausschlaggebend für den nicht verwunderlichen Sieg in dieser berühmten Schlacht dürften bei vergleichbarer Heeresgröße seine kampfgeschulten Soldaten gewesen sein sowie der Fehler des Maxentius, ihm entgegenzugehen. Seinen Mitregenten Licinius verheiratet er mit seiner Schwester und trifft mit ihm Vereinbarungen über die Aufteilung der Hoheitsgebiete, an die er sich aber nicht hält. Er provoziert gegen ihn den Bürgerkrieg und bringt ihn um, wie später auch weitere Familienmitglieder, darunter seinen Sohn und seine Gattin. Kirchliche Quellen hoben dabei seine Gerechtigkeit hervor, die selbst seine Familie nicht schont. Mit der Gründung von Konstantinopel und dem Ausbau der Stadt um 325 verlagert er das Machtzentrum endgültig und mit weitreichender Wirkung von Italien und Rom weg nach Osten.

Das Toleranzedikt von 313 bestätigt die Duldung der Christen nun für das gesamte Reich. Die Christen, die im 3. Jahrhundert nur zeitweise und lokal verfolgt wurden, waren seit 260 geduldet. Unter Diokletian kam es zu einem Rückschlag (Prof. Demandt: „Eine dumme Idee von ihm“.) Konstantin akzeptiert seit seinem Amtsantritt das Christentum, ohne selbst Christ zu sein. Er hatte Verbindung zum Christentum, er war ein religiöser Mensch, hatte wiederholt Visionen, hielt philosophisch interessiert Vorträge und verfasste Predigten und religiöse Schriften. Er förderte die Christen gezielt, u.a. durch die Überlassung von Gebiet auf dem Vatikan. Das Christogramm als Motivationsfaktor auf den Schilden seiner Soldaten wurde nach seinen Erfolgen als scharfer Beweis für den Sieg des Christentums interpretiert. Das Christentum war zu dieser Zeit alles andere als eine einheitliche Religion. Beim Konzil von Nicäa 325 gab Konstantin das Glaubensverständnis der Wesenseinheit des dreieinigen Gottes (homo-ousios) als Staatsgesetz den Kirchenvertretern vor, ohne den theologischen Streit jedoch dauerhaft lösen zu können.

Auch in der Heeresorganisation und Verwaltung werden neue Wege bestritten: Germanen werden aufgenommen und stark gefördert, als Heermeister können sie auch in die Generalität aufsteigen. Das Imperium wird in Diözesen eingeteilt, die zivile von der militärischen Verwaltung getrennt. In einem Staatshandbuch, der notitia dignitatum, wird alles bürokratisch verzeichnet.

Konstantin lag sehr daran, durch Bauten und Bildnisse bald nach Machtantritt präsent zu sein. Für seinen Triumphbogen von 315 am Forum in Rom wurden in großem Stil Bauten früherer Herrscher geplündert und Gesichtszüge auf ihn umgearbeitet. Die Weihinschrift des Senats lässt offen, durch die Eingebung welchen Gottes er gegen Maxentius gesiegt hat, bezeichnet ihn aber klar als Sieger in einem gerechten Krieg gegen den Tyrannen. Die aus der Maxentius- Basilika entwendete Statue dürfte ursprünglich eine Darstellung Jupiters gewesen sein. Den Bautypus der Basilika (Königshalle) verdanken wir Konstantin für Kirchen. Konstantin finden wir dargestellt als Sonnengott mit Strahlenkrone, der Adler ist klarer Bezug zu Jupiter, die heidnisch – römische virtus wird verehrt. Christliche Symbole tauchen langsam und spät auf, z.B. das Christogramm auf einem Helm und gezielt auf dem Feldzeichen (labarum). Wichtig sind auf Darstellungen Hinweise auf die Fruchtbarkeit der Kaiserfamilie, die Frauen sind sorgfältig portraitiert.

Der Vortrag, der den bedeutenden Herrscher wiederholt vom hohen Thron der Palastaula holte, sowie die anschließende Fragerunde, in der weitere Aspekte seines Lebens und seiner Wirkung wie die Legende der Konstantinischen Schenkung oder die Rolle seiner Mutter Helena angesprochen wurden, machten deutlich, dass das historische Etikett „der Große“ bei Konstantin berechtigt ist, seine Persönlichkeit aber nicht überzeichnet werden darf.

Mit einer Buchempfehlung aus der Vielzahl des Angebotes über und zu Konstantin schloss Prof. Demandt den aufschlussreichen Vortragsabend.

Lothar Kreuzer

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