Hans Wolf: Friedberg mit Urkunde Heinrichs VII. gut vertreten

Wetterauer Zeitung, 20.01.2011

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Auch Siegel der Burgmannen

von 1249 zu sehen – Geschichtsverein zu Besuch auf Stauferausstellung in Mannheim

von Lothar Kreuzer

 

Ein gelungener Jahresauftakt war die Museumsfahrt des Friedberger Geschichtsvereins zur Stauferausstellung in Mannheim. Die von den `staufischen` Bundesländern Baden- Württemberg, Rheinland- Pfalz und Hessen veranstaltete Schau präsentiert die Staufer in Italien und die Einflüsse, die von dort aus das Gebiet nördlich der Alpen prägten.

Herr Wolf führte zur Einstimmung grundlegend und prägnant in die historischen Fakten und Zusammenhänge ein und informierte über die prominenten Herrscher. Ohne Italien sind die wirtschaftlichen, architektonischen und kulturellen Entwicklungen der Städte des Mittelalters wie z.B. Friedberg nicht zu denken (wenn sich hier auch nicht die typischen Buckelquader finden). Die deutschen Könige zog es nach Italien, um mit der Legitimation durch die Päpste die imperiale Tradition als Heiliges Römisches Reich (deutscher Nation) fortzuführen. Auch mit Hilfe von Klöstern und Bistümern musste der Übergang über die Alpen gesichert werden. Die Herrschaft der Staufer war keine reine Erfolgsgeschichte. Weiter als in die Wetterau haben sie sich nach Norden nicht ausgedehnt. Mit Stadtgründungen festigten sie ihre Macht. Als Vorläufer moderner föderaler Struktur überließen sie in den deutschen Kernlanden geistlichen und weltlichen Herrn weitgehend die Machtausübung. Das Adelsgeschlecht aus der schwäbischen Provinz geriet immer wieder in Konflikte mit den Päpsten, in deren Rücken es auf Sizilien seine Machtbasis hatte, regierte – wie Friedrich II. – widersprüchlich mit Gewalt, aber auch mit großen Leistungen in Kunst und Wissenschaft wie dem Falkenjagdbuch von 1241. Heinrich VI., der den Schatz der Normannen an sich riss, galt in Italien noch zu Henry Benraths Zeiten als Schimpfwort. Mit dem Mythos um Barbarossas Wiederkehr reicht die Wirkung der Staufer bis in die Gegenwart, obwohl sie nur über 130 Jahre das Mittelalter dominierten. In den gut besuchten Sälen konnte man nun in den Führungen einen guten Überblick über den Aufbau der Ausstellung gewinnen und die Glanzstücke in den Blick nehmen. Als Beispiele seien stellvertretend genannt: der Barbarossakopf von etwa 1160, eine Kopfreliquie, die der Bruder des Stifters des Ilbenstädter Klosters in Auftrag gegeben hatte, um die Verantwortung für den Brand des Münsteraner Doms auszugleichen; Siegel und Bibel der Constanze von Sizilien, Gattin Heinrichs VI., die als ältere Frau zur Legitimation in aller Öffentlichkeit gebären musste; eine gut erhaltene Textilie aus der Krypta von Palermo; eine Homerausgabe von 1201 mit Randnotizen; der aus der Zeit Karls des Großen stammende Krönungsmantel; religiöse Gegenstände mit romanischem oder gotischem Bildprogramm; die erste aus Papier gefertigte Urkunde von 1228.

Eine wesentliche Funktion im Ausstellungskonzept hat die Darstellung der Regionen. Frankfurt ist Hauptbeispiel einer Stauferstadt im deutschen Teil des Imperiums. Friedberg ist gut vertreten mit einer Urkunde Heinrichs VII., der gegen den Großadel gerichtet und anders als sein Vater, Heiraten ohne Adelsvorbehalt erlaubt, sowie mit einem Siegel der Burgmannen von etwa 1249, auf der erstmalig der Reichsadler mit Krone die Königsherrschaft der Staufer symbolisiert. Capua mit den bemalten Statuen auf dem monumentalen Stadttor und das Castel del Monte sind Beispiele für freie Städte als treuer Bündnispartner und für einen wehrhaften Bau im Zentrum Apuliens. Hildegard von Bingen und Elisabeth von Thüringen runden als starke Frauen mit nachhaltiger Wirkung den Blick auf die Epoche ab.

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